Wann gilt ein Steuerbescheid als bekannt gegeben?
Die Bekanntgabe ist der Tag, ab dem die Einspruchsfrist läuft – und sie ist fast nie der Tag, an dem der Brief im Kasten lag. § 122 Abs. 2 AO stellt dafür eine Vermutung auf, die drei Übermittlungswege unterscheidet und in zwei Fällen gar nicht greift. Diese Seite ordnet die drei Wege, erklärt die Werktagsregel und zeigt, welche Zugangstatsachen der Rechner nicht kennt.
Bekanntgabefrist nach § 122 AO mit Werktagsregel (§ 108 Abs. 3 AO, AEAO zu § 108 Nr. 2), danach ein Monat Einspruchsfrist (§ 355 AO). Bundesweite Feiertage sind berücksichtigt; regionale und örtliche Feiertage sowie ein späterer Zugang bleiben zu prüfen. Kein Konto, keine Speicherung.
Elektronische Übermittlung ist nicht die Bereitstellung zum Portalabruf nach § 122a AO. Förmliche Zustellung wird hier ebenfalls nicht berechnet.
Ihr Fristende erscheint hier.
So geht es
- Den Übermittlungsweg feststellenBrief im Inland, Brief ins Ausland oder elektronische Übermittlung: Für jeden Weg nennt § 122 AO eine eigene Frist. Der Weg ist eine Tatsache des Falls und wird nicht angenommen – zwischen Inland und Ausland liegen bis zu 27 Tage.
- Die Frist des Wegs anwendenIm Inland der vierte Tag nach der Aufgabe zur Post (§ 122 Abs. 2 Nr. 1 AO), im Ausland ein Monat nach der Aufgabe zur Post (Nr. 2), elektronisch der vierte Tag nach der Absendung (§ 122 Abs. 2a AO).
- Zugang und Rechenannahmen prüfenAlle drei Fristen gelten nicht, wenn der Verwaltungsakt nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt zugegangen ist. Im Zweifel hat die Behörde den Zugang und seinen Zeitpunkt nachzuweisen.
- Den Tag als Frist führenAus der Bekanntgabe folgt die Einspruchsfrist von einem Monat (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO). In PostPilot liegt sie am Vorgang, mit Ampel, Erinnerung und Kalenderdatei.
Drei Wege, zwei Fristen
Ein schriftlicher Verwaltungsakt, der durch die Post übermittelt wird, gilt bei einer Übermittlung im Inland am vierten Tage nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben, bei einer Übermittlung im Ausland einen Monat nach der Aufgabe zur Post (§ 122 Abs. 2 Nr. 1 und 2 AO). Ein elektronisch übermittelter Verwaltungsakt gilt am vierten Tage nach der Absendung als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2a AO).
Angeknüpft wird an die Aufgabe zur Post beziehungsweise an die Absendung, nicht an das Datum im Briefkopf und nicht an den Tag, an dem Sie den Umschlag geöffnet haben. Beim Monatsweg gilt zusätzlich die Kappung auf den Monatsletzten: Gibt es den Tag mit derselben Zahl im Zielmonat nicht, endet die Frist mit dessen letztem Tag (§ 188 Abs. 3 BGB über die Verweisung in § 108 Abs. 1 AO).
Für die öffentliche Bekanntgabe nennt dasselbe Gesetz eine vierte Zahl: Der Verwaltungsakt gilt zwei Wochen nach dem Tag der ortsüblichen Bekanntmachung als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 4 Satz 3 AO).
Die Vermutung ist widerleglich, und das steht im selben Satz
Jede der drei Fristen endet mit demselben Halbsatz: außer wenn der Verwaltungsakt nicht oder zu einem späteren Zeitpunkt zugegangen ist; im Zweifel hat die Behörde den Zugang des Verwaltungsakts und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen (§ 122 Abs. 2, Abs. 2a AO). Wer den Brief nachweislich später bekommen hat, hat damit auch später Fristbeginn.
Praktisch heißt das: Umschlag mit Poststempel aufheben und den Eingangstag festhalten, bevor der Brief in die Ablage wandert. Auch andere Nachweise können erheblich sein; das Werkzeug beurteilt ihre Beweiskraft nicht.
Die Werktagsregel gilt auch für die Bekanntgabe
AEAO zu § 108 Nr. 2 nennt die Viertage- und Monatsregeln ausdrücklich: Fällt ihr Ende auf Sonnabend, Sonntag oder einen gesetzlichen Feiertag, gilt § 108 Abs. 3 AO. Wochenenden innerhalb der Frist werden dagegen mitgezählt. Der Rechner zeigt den ursprünglichen Tag und die Verschiebung getrennt.
Beispiel Auslandsübermittlung: Aufgabe zur Post am 31.01.2026, ein Monat danach ist wegen § 188 Abs. 3 BGB zunächst der 28.02.2026. Dieser Samstag wird auf Montag, 02.03.2026 verschoben. Erst daran schließt die Einspruchsfrist bis 02.04.2026 an (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO). Gerechnet sind bundesweite Feiertage; örtliche und regionale Feiertage samt maßgeblichem Ort bleiben offen.
Für Versand bis 31.12.2024 verwendet das Werkzeug bei Inland und elektronischer Übermittlung drei Tage, danach vier (BMF-Schreiben vom 10.12.2024). Ein späterer oder fehlender Zugang, eine förmliche Zustellung und die Bereitstellung zum Portalabruf nach § 122a AO lassen sich aus diesen beiden Eingaben nicht bestimmen.
Was daran hängt und was PostPilot davon leistet
An der Bekanntgabe hängen die Einspruchsfrist von einem Monat (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO) und der Antrag auf schlichte Änderung, der zugunsten des Steuerpflichtigen nur vor Ablauf der Einspruchsfrist wirkt (§ 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchstabe a AO). Beide laufen auf denselben Tag zu.
Der Rechner oben nennt beide Tage und die Schritte dazwischen, ohne Konto und ohne zu speichern. Im Vorgang der App nimmt PostPilot das Schreiben entgegen, erkennt Behörde, Aktenzeichen, Beträge und die genannte Frist, bewertet sie mit der Ampel und erinnert sieben und drei Tage vorher. Den rechtlichen Hintergrund führt der Fachbeitrag „Behördenpost im Jahresplan: welche Wiedervorlage wann steht“ unter /blog/wiedervorlage-behoerdenpost-jahresplan/ aus.
Häufige Fragen
Sind es drei oder vier Tage bis zur Bekanntgabe?
Für nach dem 31.12.2024 versandte Verwaltungsakte vier Tage, für Versand davor drei Tage. Maßgeblich ist der Tag der Aufgabe zur Post beziehungsweise der elektronischen Absendung, auch beim Jahreswechsel (BMF-Schreiben vom 10.12.2024 zu § 122 AO).
Was gilt bei Übermittlung des Bescheids im Ausland?
Bei einer Übermittlung im Ausland gilt der Verwaltungsakt einen Monat nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2 Nr. 2 AO). Gibt es den Tag im Zielmonat nicht, gilt zunächst der Monatsletzte. Anschließend ist die Werktagsregel des § 108 Abs. 3 AO zu prüfen (AEAO zu § 108 Nr. 2).
Der Brief kam nachweislich später. Zählt die Frist trotzdem?
Nein. Die Fiktion gilt nicht, wenn der Verwaltungsakt nicht oder zu einem späteren Zeitpunkt zugegangen ist; im Zweifel hat die Behörde den Zugang und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen (§ 122 Abs. 2 AO). Heben Sie den Umschlag mit Poststempel auf.
Rechnet PostPilot den Bekanntgabetag aus?
Der Rechner rechnet die Bekanntgabefrist nach § 122 AO und verschiebt ihr Ende gemäß § 108 Abs. 3 AO und AEAO zu § 108 Nr. 2 auf den nächsten Werktag. Die offenen Voraussetzungen stehen am Ergebnis. Im Vorgang der App übernimmt PostPilot das Datum aus dem Schreiben und führt die Frist mit Ampel, Erinnerung und Kalenderdatei.
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Behördenpost mit Frist erfassenRechnet ohne Konto · Keine Speicherung · Wortlaut statt Faustregel
PostPilot dokumentiert Fristen und erstellt Entwürfe; das ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Verbindlich ist der amtliche Gesetzestext.