Einspruchsfrist: einen Monat ab Bekanntgabe, nicht ab Bescheiddatum
Auf dem Bescheid stehen zwei Daten, und keines davon ist der Fristbeginn. Der Einspruch ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Verwaltungsakts einzulegen (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO); wann die Bekanntgabe eintritt, entscheidet der Übermittlungsweg (§ 122 Abs. 2 AO). Diese Seite zeigt die Kette vom tatsächlichen Versandtag bis zum letzten Tag und nennt die offenen Voraussetzungen.
Bekanntgabefrist nach § 122 AO mit Werktagsregel (§ 108 Abs. 3 AO, AEAO zu § 108 Nr. 2), danach ein Monat Einspruchsfrist (§ 355 AO). Bundesweite Feiertage sind berücksichtigt; regionale und örtliche Feiertage sowie ein späterer Zugang bleiben zu prüfen. Kein Konto, keine Speicherung.
Elektronische Übermittlung ist nicht die Bereitstellung zum Portalabruf nach § 122a AO. Förmliche Zustellung wird hier ebenfalls nicht berechnet.
Ihr Fristende erscheint hier.
So geht es
- Den Bekanntgabetag bestimmenNicht das Datum im Briefkopf zählt, sondern die Aufgabe zur Post: Ein durch die Post übermittelter Verwaltungsakt gilt im Inland am vierten Tage nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2 Nr. 1 AO), im Ausland einen Monat danach (Nr. 2), elektronisch am vierten Tage nach der Absendung (§ 122 Abs. 2a AO).
- Einen Monat weiterzählenFür die Berechnung von Fristen gelten die §§ 187 bis 193 BGB entsprechend (§ 108 Abs. 1 AO). Der Bekanntgabetag zählt nicht mit; die Monatsfrist endet mit Ablauf des Tages, der dem Bekanntgabetag durch seine Zahl entspricht.
- Auf Wochenende und Feiertag prüfenFällt das Ende einer Frist auf einen Sonntag, einen gesetzlichen Feiertag oder einen Sonnabend, endet sie mit dem Ablauf des nächstfolgenden Werktags (§ 108 Abs. 3 AO). Nach AEAO zu § 108 Nr. 2 gilt diese Regel auch für die Bekanntgabefrist; erst von deren verschobenem Endtag läuft die Einspruchsfrist.
- Den Tag in den Vorgang legenPostPilot übernimmt die im Schreiben genannte Frist, stellt die Ampel auf Rot bei abgelaufener Frist, Gelb am Fälligkeitstag und in den sieben Tagen davor, Grün darüber, und erinnert sieben und drei Tage vorher per E-Mail.
Drei Daten auf dem Bescheid, und nur eines startet die Frist
Auf einem Steuerbescheid stehen das Bescheiddatum, oft ein Fälligkeitstag für die Zahlung und die Rechtsbehelfsbelehrung. Der Fristbeginn steht dort in der Regel gar nicht: Der Einspruch ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Verwaltungsakts einzulegen (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO), und die Bekanntgabe hängt am Versand, nicht am Druckdatum.
Die Bekanntgabe ist dabei eine gesetzliche Vermutung und kein Nachweis. Sie gilt nicht, wenn der Verwaltungsakt gar nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt zugegangen ist; im Zweifel hat die Behörde den Zugang und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen (§ 122 Abs. 2, Abs. 2a AO). Bewahren Sie Umschlag, Poststempel und andere verfügbare Zugangsnachweise auf.
Einen eigenen Anfangspunkt hat der Einspruch gegen eine Steueranmeldung: Er ist innerhalb eines Monats nach Eingang der Steueranmeldung bei der Finanzbehörde einzulegen, in den Fällen des § 168 Satz 2 AO innerhalb eines Monats nach Bekanntwerden der Zustimmung (§ 355 Abs. 1 Satz 2 AO).
Wochenenden an beiden Fristenden prüfen
§ 108 Abs. 3 AO gilt nach AEAO zu § 108 Nr. 2 auch für die Viertage- und Monatsregeln des § 122 AO. Der Rechner zählt zunächst Kalendertage: Wochenenden innerhalb der vier Tage werden mitgezählt. Nur wenn deren letzter Tag auf Samstag, Sonntag oder einen gesetzlichen Feiertag fällt, wird auf den nächsten Werktag verschoben.
Beispiel Inland: Aufgabe zur Post am 04.08.2026, vierter Tag am Samstag, 08.08.2026. Unter der Rechenannahme bundesweiter Feiertage gilt die Bekanntgabe am Montag, 10.08.2026; die Monatsfrist des § 355 Abs. 1 Satz 1 AO endet am 10.09.2026. Regionale und örtliche Feiertage, ihr maßgeblicher Ort und ein abweichender tatsächlicher Zugang sind zusätzlich zu prüfen.
Für bis einschließlich 31.12.2024 zur Post gegebene oder elektronisch übermittelte Verwaltungsakte rechnet das Werkzeug mit drei Tagen. Erst danach gelten vier Tage; entscheidend ist der Versand, nicht das Ende der Frist (BMF-Schreiben vom 10.12.2024). Förmliche Zustellung und Portalabruf nach § 122a AO sind eigene Verfahren und hier nicht abgedeckt.
Diese Frist lässt sich nicht verlängern
Verlängert werden können Fristen zur Einreichung von Steuererklärungen und Fristen, die von einer Finanzbehörde gesetzt sind (§ 109 Abs. 1 Satz 1 AO). Die Einspruchsfrist ist keine von beiden: Sie steht als Monatsfrist ab Bekanntgabe im Gesetz. Ein Antrag auf ihre Verlängerung ändert am Fristablauf nichts.
Was trägt, ist die Reihenfolge: fristgerecht Einspruch einlegen, die Begründung nachreichen. § 357 Abs. 3 AO formuliert die Angaben zur Begründung als Soll-Vorschrift. Der Fachbeitrag „Fristverlängerung beim Finanzamt beantragen (§ 109 AO)“ führt das mit allen Fundstellen aus und liegt unter /blog/fristverlaengerung-beantragen-anleitung/.
Der Rechner hier und der Vorgang in der App sind zwei Dinge
Der Rechner oben bildet die Kette aus § 122 Abs. 2 und § 355 Abs. 1 Satz 1 AO nach und gibt jeden Schritt mit seiner Fundstelle aus. Er läuft ohne Anmeldung und speichert nichts, weder den Fall noch die Eingabe. Der Vorgang in der App arbeitet anders herum: Dort übernimmt PostPilot das Datum, das im Schreiben steht, statt es zu rechnen. Sie laden den Bescheid als PDF, Foto oder Textdatei hoch oder leiten ihn an die Eingangsadresse Ihres Kontos weiter; die Extraktion erkennt Behörde, Aktenzeichen, Beträge und die genannte Frist. Ist im Brief kein Datum erkennbar, bleiben Ampel und Resttage leer: Eine grüne Ampel ohne Frist wäre eine Entwarnung, die niemand gegeben hat.
Danach arbeitet die App an dem, woran Fristen tatsächlich scheitern: Erinnerungen gehen sieben und drei Tage vor dem Fristtag, die erkannten Termine gehen als Kalenderdatei in Ihren Kalender, und zu einem Bescheid legt PostPilot den Entwurf für den Einspruch mit dem Antrag auf Aussetzung der Vollziehung an. Fehlende Angaben bleiben als Platzhalter in eckigen Klammern stehen.
Häufige Fragen
Ab wann läuft die Einspruchsfrist genau?
Ab der Bekanntgabe, nicht ab dem Bescheiddatum (§ 355 Abs. 1 Satz 1 AO). Bei Postübermittlung im Inland gilt der Verwaltungsakt am vierten Tage nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2 Nr. 1 AO), bei elektronischer Übermittlung am vierten Tage nach der Absendung (§ 122 Abs. 2a AO).
Was gilt, wenn der letzte Tag ein Samstag ist?
Fällt das Ende einer Frist auf einen Sonntag, einen gesetzlichen Feiertag oder einen Sonnabend, endet sie mit dem Ablauf des nächstfolgenden Werktags (§ 108 Abs. 3 AO). Das gilt nach AEAO zu § 108 Nr. 2 auch für die Bekanntgabefrist. Der Rechner berücksichtigt bundesweite Feiertage; regionale und örtliche Feiertage müssen Sie zusätzlich prüfen.
Kann ich die Einspruchsfrist verlängern lassen?
Nein. § 109 Abs. 1 Satz 1 AO erlaubt die Verlängerung nur für Erklärungsfristen und für Fristen, die von einer Finanzbehörde gesetzt sind. Legen Sie den Einspruch fristgerecht ein und reichen Sie die Begründung nach; § 357 Abs. 3 AO formuliert sie als Soll-Vorschrift.
Rechnet PostPilot die Frist für mich aus?
Der Rechner auf dieser Seite tut es und zeigt jeden Schritt mit seiner Fundstelle; er speichert nichts. Im Vorgang der App übernimmt PostPilot dagegen das Datum, das im Schreiben genannt ist, und bewertet es mit einer Ampel. Erinnerungen gehen sieben und drei Tage vor dem Fristtag.
Alle Funktionen inklusive. Keine Kreditkarte.
Fristen aus der Post führenRechnet ohne Konto · Keine Speicherung · Fundstelle zu jedem Schritt
PostPilot dokumentiert Fristen und erstellt Entwürfe; das ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Maßgeblich ist das Original Ihres Bescheids.